KLARTEXT mainzer ärzteforum 26.09.2018

 

 

Ein immer fesselndes Thema ist Medizin und Sport

 


Drei kompetente Ärzte berichteten über ihre Arbeit und spezielle Aspekte der Sportmedizin.

 

  

Als Erster sprach Priv.-Doz. Dr. Stefan Mattyasovszki, Oberarzt des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie der Unimedizin Mainz, Mannschaftsarzt des 1. FSV Mainz 05 über das Thema: Die ärztliche Betreuung einer Profi-Fußballmannschaft

Er schilderte die Arbeit eines Manschaftsarzte im Fußballsport, die er seit 2013 bei Mainz 05 als medizinischer Betreuer der Lizenzspieler übernommen hat. Dazu wurde ein Kompetenzteam neu eingerichtet, das für die Profisportler beim Training, im Trainingslager sowie bei Heim– und Auswärtsspielen zuständig ist. Dieses Team aus der Universitätsmedizin Mainz umfasst Spezialisten im Bereich  der Orthopädie, der musculo-skelettalen Chirurgie und der Kardiologie.
Dr Mattyasovski selbst ist pro Jahr bei 40 Fußballspielen im Einsatz, bei zwei Trainingslagern und jeweils einer Eingangsuntersuchung.
Er ist verantwortlich für Teambuilding, Medical Check und hat praktisch einen 24-stündigen Bereitschaftsdienst.
Er berichtete, dass es viel zu tun gebe.
  • ca. 40 Verletzungen pro Saison im Bereich der Oberschenkel, Knöchel, Muskeln, des Band-und Gelenkbereichs
  • sehr häufig Gehirnerschütterungen (insgesamt 81 Kopfkollisionen).

Verletzungen träten zu 53 % während eines Fußballspiels und zu 47 % im Training auf.

Diagnostische Maßnahmen seien u.a. Anamnese, Palpation, Sonographie, MRT und Röntgen. Therapeutisch werde nach der so genannten PECH Regel vorgegangen: Pause, Eisauflagen, Compression und Hochlagern.
Auch das alte Sprichwort „Medicus curat, natura sanat.“ habe bei Sportverletzungen noch eine große Bedeutung.

 

Danach hatte das Wort Prof. Dr. Dr. Perikles Simon, Abteilungsleiter der Abteilung Sportmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz,
der sich zum Thema: Doping und Dopingkontrollen: Worüber Athleten aufgeklärt werden müssten, äußerte.

Er berichtete über Vor-und Nachteile der Dopingkontrollen.
Dopingkontrollen sollten ein Schutz für „saubere Athleten“ und die Fairness im Sport aufrechterhalten. Die NADA (Nationale Anti Doping Agentur Deutschland) werbe mit dem Satz: Das Doping Kontroll-System schütze saubere Athleten.

Dieser Spruch stehe im eklatanten Widerspruch, nicht nur zu den aktuellen Dopingquoten, sondern sei auch überhaupt nicht mit der kritischen Selbsteinschätzung eines WADA-Expertengremiums (World Anti Doping Agency) vereinbar. Die Dunkelziffer nicht entdeckter Fälle betrage daher immer noch ca. 40 %.

Häufig seien Screening Tests falsch positiv oder falsch negativ. Spezialisierte Tests seien nur mit größerem Aufwand und auch mit psychischen Belastungen besonders bei den jungen Sportlerinnen behaftet. Wer von uns wisse schon, was einem 16-jährigem Mädchen psychisch widerfahre, wenn es sich beim ersten Auslandseinsatz für den DOSB (Deutscher Olympia Sportbund) auf die Toilette setzen müsse und ein Kontrolleur dabei mit Hilfe eines Spiegels das Geschlechtsteil beim Urinieren beobachte.

Die Aufklärungsmaterialien der NADA dürften die deutschen Sportärzte somit sicher nicht einsetzen.

 

Als Dritter zu Wort kam Dr. Ulrich Kau, niedergelassener Allgemeinmediziner in Oestrich- Winkel, Ltd. Verbandsarzt des Deutschen Ruderverbandes mit dem Thema: Sportmedizin in der Allgemeinmedizin – das optimale Fachgebiet

Er berichtete über seine reichhaltige Erfahrung als Leitender Verbandsarzt des Deutschen Ruderverbandes und seit 2010 auch Verbandsarzt des deutschen Boxsport Verbandes. Er war u.a. auch bei den Olympischen Spielen in Peking mit vor Ort, wo 14 Wettbewerbe im Rudern ausgetragen wurden.

Die Allgemeinmedizin sei in sportmedizinischer Hinsicht fachübergreifend und umfasse theoretische und praktische Medizin. Sie untersuche den Einfluss von Bewegung, Training und Sport sowie Bewegungsmangel auf gesunde und kranke Menschen. Sie sei vorwiegend ein Fach mit Inhalten aus den Gebieten der Inneren Medizin, Immunologie, Orthopädie mit Rehabilitation, Sportpsychologie sowie der Sportwissenschaften mit Trainings- und Ernährungslehre.

Als Sportarzt seien folgende Voraussetzungen notwendig: allgemeine medizinische Kompetenz, Erfahrungen in der medizinischen Betreuung von Leistungssportlern, Zusatzbezeichnung Sportmedizin, internistische und orthopädische Kenntnisse, Ernährungsmedizin und Antidopingmaßnahmen.

An diagnostische Maßnahmen fielen u.a. an: körperliche Untersuchungen, Spirometrie, EKG, Ultraschall, Gefäßcheck, Laboruntersuchungen

Therapeutische Maßnahmen rekrutierten sich aus vielfältigen Bereichen, wie Schulmedizin, Erfahrungsmedizin, Homöopathie, Infusionstherapie – Inhalationen, Reizstromtherapie, Iontophorese, Magnetfeld-Resonanz-Therapie, Kleine Chirurgie, Quaddelbehandlung, Akupunktur, ostheopathische Behandlung, craniomandibuläre Therapie u.a.

 

   
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