KLARTEXT mainzer ärzteforum am 11.03.2015

 

Die KLARTEXT-Veranstaltung zu den Themen Der Ärzteverein Mainz lud ein zur KLARTEXT-Veranstaltung mit den Themen: Patientenrechtegesetz und Placebo/Nocebo.

 

Wieder eine Mischung aus Rechtlichem und Medizinischem

Kirsten PrusseitZunächst referierte Frau Kirsten Prusseit (Fachanwältin für Medizinrecht, Kanzlei Kunz, Rechtsanwälte, Koblenz, Bonn, Mainz)  über das Patientenrechtegesetz.

Am 26.02.2013 trat das Gesetz zur Verbesserung der Rechte von Patientinnen und Patienten das sog. Patientenrechtegesetz in Kraft.
Geregelt werden im Wesentlichen:

  • Behandlungsvertrag
  • Pflichten des Patienten und des Behandelnden
  • Mitwirkungs- und Informationspflichten,
  • Einwilligung
  • Aufklärung
  • Dokumentation und  Beweislast

Es ist aktuell eine deutliche Zunahme an Vorwürfen wegen vermuteten Behandlungsfehlern bei 700 Millionen Behandlungsfällen in 2013 (davon 18,6 Millionen im stationären Bereich) zu verzeichnen. Daher findet sich auch ein Zuwachs an Verfahren vor den Schlichtungsstellen der Landesärztekammern mit einer vermehrten Begutachtung durch den MDK.

Die Gründe für die Zunahme der Verfahrens sind:

  • rasante Fortschritte der Medizin
  • überzogene Erwartungshaltung der Patienten
  • Zunahme der Rechtschutzversicherung
  • Einführung der Schlichtungsstellen
  • Schadensmanagement der GKV
  • sowie die mediale Berichterstattung

Die Quote der tatsächlich bestätigen Behandlungsfehler liegt bei 30 %, davon besonders betroffen sind die chirurgischen Fachgebiete.
Es gibt allerdings keine gesetzliche Regelungen, was unter medizinischem Standard zu verstehen ist. Dies ist dann die Aufgabe des Sachverständigen.
Richtlinien in den Bundesausschüssen der Ärzte und der Krankenkassen sind immer verbindlich und legen den medizinischen Standard fest. Leitlinien hingegen sind nur Handlungsempfehlungen bzw. Orientierungshilfen für den Arzt zur Wahrung von Qualitätsstandards. 

Vor Durchführung einer medizinischen Maßnahme, insbesondere eines Eingriffs in den Körper oder die Gesundheit ist der Behandelnde verpflichtet, die Einwilligung des Patienten einzuholen (§ 630 / Die Einwilligung). Die Einwilligung muss mündlich durch den Behandelnden erfolgen und rechtzeitig sein, sodass der Patient seine Entscheidung über die Einwilligung wohl überlegt treffen kann. Sie muss  für den Patienten verständlich sein.

 

Dr. Thomas HellerAnschließend referierte  Dr. Thomas Heller (praktischer Arzt, Psychotherapie, Mainz)  über Placebo- / Nocebo-Effekte.

Der Placebo-Effekt ist bekannt – und irgendwie auch in jedermanns Mund. Anders hingegen sieht es mit dem Nocebo-Effekt aus: Nocebo, der grausame Bruder von Placebo. Während sich Ärzte der Macht von Placebo-Effekten oft nicht bewusst sind, sie aber mehr oder weniger in Kauf nehmen oder nicht hinterfragen, weil sie ja nützen, ahnen viele nicht, dass der grausame Bruder mit gleicher Gewalt und Präzision zuschlägt. Und das leider oft unbeabsichtigt, gut gemeint und ungewollt, denn welcher Mediziner würde seinen Patienten bewusst Schaden zufügen. Hier kommt es auf jedes Wort an!

Der Vortrag von Dr. Heller hat auf anschauliche Art und Weise zu etwas mehr Klarheit verholfen, damit noch mehr Patienten in den Genuss der Droge Arzt kommen: mehr Placebo weniger Nocebo.
Das geschah trotz wissenschaftlicher Ernsthaftigkeit durchaus auch humorvoll, aber es ist ja allgemein bekannt: Humor ist die beste Medizin.

   
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