KLARTEXT mainzer ärzteforum am 12.03.2014

 

Eine große Teilnehmerzahl zeigte, dass am Thema Fluglärm in Mainz ein großes Interesse besteht.

 

Das KLARTEXT-Thema Fluglärm traf den Nerv

Die rege Teilnahme an dieser KLARTEXT-Veranstaltung bewies, dass der Ärzteverein ein interessantes Thema aufgegriffen hat. Sachkundeige Experten informierten über verschiedene Aspekte des Themas Fluglärm. Auch die lokale Presse hat über diese Veranstaltung berichtet (Artikel vom 14.03.2014 in der Mainzer AZ / PDF 736 kB) .

Den Anfang machte Univ.-Prof. Dr. med. Thomas Münzel, der u.a. Ergebnisse der Mainzer Studie zum Thema Lärmeinwirkung vorstellte. Zusammenfassend lautete die Botschaft:

Fluglärm führt nachweislich zu einer arteriellen Hypertonie und Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Entsprechend dem Lärmwirkungsmodell von Herrn Babisch wird dies zumindest z.T. Stressreaktionen vermittelt.
In Mainz haben wir die Effekte von Nachtfluglärm auf die Gefäßfunktion untersucht. Hierbei zeigte es sich, dass in einem Feldversuch simulierter Nachtfluglärm bei gesunden Studenten zu einer endothelialen Dysfunktion führte, zu einer Steigerung der Stresshormonspiegel und zu einer Verschlechterung der Schlafqualität. er Gefäßschaden ließ sich durch die Akutgabe von Vitamin C verbessern.
Ähnliche Reaktionen sind bei chronischen Rauchern, bei Patienten mit einem hohen Cholesterin und bei Diabetikern nachgewiesen, sodass Fluglärm als neuer kardiovaskulärer Risikofaktor angesehen werden muss, ein Risikofaktor den nur die Politik und nicht der Patient selbst beeinflussen kann.


Danach erläuterte Univ.-Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Manfred E. Beutel:

Fluglärm beeinträchtigt Lebensqualität und psychische Gesundheit.
Lebensqualität umfasst das körperliche, psychische und soziale Befinden eines Individuums. Die Belästigung durch Lärm, insbesondere auch durch Fluglärm kann die Lebensqualität enorm beeinträchtigen.
Lärmbelästigung hat sich daher international als Maß für die Bewertung von Fluglärm und anderen Lärmquellen durchgesetzt. Lärmbelästigung bezieht sich nicht nur auf die Störung von Absichten, Gefühlen oder Aktivitäten einer Person, sondern auch die Einschätzung, durch Geräusche gestört zu werden, ohne sie wirksam bewältigen zu können. Nächtliche Lärmbelästigung beeinträchtigt aus psychosomatischer Sicht Schlafqualität und Regeneration und kann weitere psychische Belastungen nach sich ziehen. Auch die Verschlechterung der Zufriedenheit mit der Wohnsituation und der Verlust von Erholung am Tage kann wichtige Teile der Lebenszufriedenheit und letztlich auch die psychische Gesundheit nachhaltig beeinträchtigen.


Auf einen weiteren Aspekt machte Prof. Dr. med. Ernst-H. Scheuermann aufmerksam:

Im Bericht der Mediation zum Ausbau des Flughafens Frankfurt wurde 1999 festgestellt, dass Fluglärm ein Risiko für die Gesundheit bedeutet und dass weitere Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet notwendig sind. Besonders lückenhaft sei "... die Kenntnis über die Auswirkungen von Lärm auf besonders empfindliche oder schutzwürdige Gruppen wie etwa Alte, Kranke und Kinder. In den Unterlagen des Planfeststellungsverfahrens wird darauf verwiesen, dass langfristige gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Fluglärm bei Kindern nur bruchstückhaft erforscht worden sind.  In der Folge wurde das heute in der Umwelt- und Gesundheitspolitik  übliche Vorsorgeprinzip (precautionary principle) missachtet und mit der Inbetriebnahme der neuen Landebahn des Flughafens Frankfurt die Zunahme gesundheitlicher Schäden bei Kindern durch den verstärkten Fluglärm billigend in Kauf genommen.
Fluglärm ist ein heimtückisches Umweltgift. Der aktuelle Wissensstand belegt für Fluglärm ausgesetzten Kindern ein hohes Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen, die sich erst im Erwachsenenalter manifestieren. Ob dieser Sachverhalt im Einklang mit dem Grundgesetz, Artikel 20 A: „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen..." steht, daran darf gezweifelt werden.


Last but not least erläuterte Friedrich Demmler, der 2. Vorsitzende des Deutschen Fluglärmdienstes e.V., die Arbeit des Vereins:

Die Funktion des DFLD war ursprünglich dem Gedanken der Kontrolle und Offenlegung dessen entsprungen, was nicht oder nur zögerlich an die Öffentlichkeit kam. Mit seinen fast 600 Schallpegelmonitoren, betrieben von über 50 Gemeinden und öffentlichen Einrichtungen, sowie mehreren hundert privaten Personen, kann der DFLD heute ein Mess-Netz aufweisen, das durch keine andere öffentliche oder private Organisation erbracht wird. Die hohe Dokumentationsqualität des DFLD ist für jeden transparent auf der WEB-Seite www.dfld.de einsehbar.
Das Credo: „wir machen Fluglärm sichtbar“ zeigt über die europäische Organisation des DFLD via UECNA nachhaltig Wirkung, längst ist das Thema Lärm im allgemeinen nicht nur europaweit, sondern auch weltweit zur Vernetzung aufgeboten, was den DFLD auch als Betreiber der EANS (European Aircraft Noise Service) und der WW-ANS (WordWide Aircraft Noise Service) auszeichnet. Heute werden an den DFLD vollkommen neue Anforderungen heran getragen, an die man zur Gründungszeit vor über 10 Jahren nicht im entferntesten gedacht hat.

 
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