KLARTEXT mainzer ärzteforum am 27.11.2013

 

Der Ärzteverein Mainz bot ein Podium für die Diskussion des Themas MFA-Ausbildung, das in den letzten Wochen und Monaten die Ausbildungspraxen bewegt hat.

 

KLARTEXT und die MFA-Ausbildung

Als erster Referent des Abends stellte Herr Christoph Wollek, der Geschäftsführer der Bezirksärztekammer, die Historie von der Arzthelferinnen- bis zur MFA-Ausbildung und den rechtlichen Rahmen vor. Er machte darauf aufmerksam, dass die Ausbildungsinhalte vom Gesetzgeber vorgeschrieben werden und der/die ausbildende Ärzt/Ärztin sich im Ausbildungsvertrag verpflichtet, diese Inhalte zu vermitteln. Daneben sei die Kammer verpflichtet, die Eignung der Ausbildungsstätte zu bestätigen, was zu der vielfach gescholtenen Umfrage bei den Praxen geführt habe. Er machte besonders deutlich, dass aus diesem Ausbildungsvertrag sogar Schadensersatzansprüche im Falle des Nichtbestehens der Prüfung durch die/den MFA erwachsen können.Seine Folienpräsentation können Sie hier per Download (PDF /55 kB) einsehen.

Für die Berufsbildende Schule II in Mainz, an der die MFA-Ausbildung angesiedelt ist, stellten Frau Klaudia Repp und Herr Fleischmann dar, dass die Schule einem Lehrplan unterliege, der vom Land erlassen wird. Nur im Rahmen dessen könnten die berufsbildenden Schulen ihren Stoff vermitteln. Insbesondere machte er darauf aufmerksam, dass die Wissensvermittlung in "Paketen" erfolge und einmal erhaltene Benotungen in den abgeschlossenen "Paketen", auch des ersten Jahres, für das Endzeugnis Bestand haben.

Die Leiterin der Carl-Oelemann-Schule in Bad Nauheim, Frau Dipl. Med.-Päd. Silvia Happel, stellte das Konzept der dualen Ausbildung in Hessen für den Bereich der MFA vor. Wegen der unterschiedlichen Gegebenheiten in den Praxen habe man sich in Hessen seitens der Ärztekammer schon früh entschlossen, Teile dieser Ausbildung zentral in der Carl-Oelemann-Schule vermitteln zu lassen. Sie erläuterte noch einmal im Detail, dass bei dieser Form der Ausbildung – für die der Bundesgesetzgeber die Gesamtinhalte vorgebe – das Land den Berufsschulen den Lehrplan vorschreibe und jede ausbildende Praxis durch den Vertrag verpflichtet sei, die vorgeschriebenen Inhalte zu vermitteln. Was dazu im Detail in der letztmalig 2006 novellierten Ausbildungsordnung vorgeschrieben sei, könne man z.B. den Publikationen: Die Medizinische Fachangestellte – Erläuterungen und Umsetzungshilfen zur Ausbildungsverordnung  (Deutscher Ärzteverlag) oder Medizinische Fachangestellte / Medizinischer Fachangestellter – Erläuterungen und Praxishilfen zur Ausbildungsordnung (Verlag BW Bildung und Wissen) entnehmen. Da auch Inhalte aufgelistet seien, die im Laufe der Zeit nicht nur in wenigen Praxen, sondern bisweilen gar nicht mehr in Praxen vermittelt werden könnten (z.B. Zellzählung mit der Zählkammer) stelle das Angebot ihrer Schule eine Ergänzung dar, wodurch das System der dualen Bildung hier sozusagen auf 3 Säulen verteilt sei. Herr Dr. med. Edgar Pinkowski, der in Hessen dem Präsidium der Landesärztekammer angehört, erklärte, dass auch in Hessen das Thema immer wieder mal diskutiert werde, man aber dort der Ansicht sei, dass die MFA-Ausbildung eine gesamtärztliche Aufgabe sei, weil auch – und in jüngerer Zeit immer mehr – Kliniken und MVZ ausgebildete MFA beschäftigten und benötigten.

In der anschließenden, regen Diskussion wurde deutlich, dass insbesondere kleine Praxen mit nur einem Ausbildungsplatz es schwerer haben, die Ausbildung zu gewährleisten. Sowohl von Ärzten wie der Berufsschule wurde festgestellt, dass der jahrelange schulische Mangel allgemeiner Kenntnisse (z.B. der deutschen Sprache) weder in der Berufsschule noch in der Praxis ausgeglichen werden könne. Da die Praxen auch in Zukunft MFA benötigen werden, wurde eine Förderung der Ausbildung, auch unter teilweiser finanzieller Entlastung für ausbildende Praxen, gefordert. Der Vorstand des Ärztevereins werde diese Problematik in den Vorstand der Bezirksärztekammer einbringen.

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